WOHNSINN Berichte und Presse

02.09.2018 Grafinger Anzeiger: "Das Mietproblem in Grafing bekämpfen - Starthilfe für Wohnungssuche"

https://www.meine-anzeigenzeitung.de/lokales/ebersberg/starthilfe-wohnungssuche-10220592.html

WOHNSINN –
Reflexion des ersten Vernetzungstreffens am 22. September 2018

„Es sind alle offen, da und angekommen.“

Die Erwartung, dass es ein ausgewogenes Verhältnis von Hausbesitzern und Wohnungssuchenden geben möge, wurde unterboten. Tatsächlich kamen drei Hauseigentümer, die aber kein aktuelles Wohnangebot mitbrachten, und ungefähr 18 Wohnungssuchende. Resonanz fand das Projekt auch in Helferkreisen, die mit ihren Schützlingen kamen, jedoch leider die Veranstaltung auch bald wieder verließen, als klar wurde, dass es hier keine schnelle Lösung für die Wohnungsnot der neuen Mitbürger geben würde.

Der Veranstaltungsablauf sah ein „Speed-Dating“ vor, bei dem effizienterweise jeder die Möglichkeit haben sollte mit jedem zu sprechen. Interessanterweise hatte sich jedoch in der verbleibenden Gruppe in kurzer Zeit ein konstruktiver kollektiver Geist gebildet, der dem Begriff „Speed“ nichts abgewinnen konnte. Mit Geschwindigkeit sollte diese Reihe von Kennenlerntreffen nicht starten, wohl aber mit Ausdauer.

Hier kamen nämlich ganz verschiedene  Menschen zusammen -  unter anderem alleinerziehende Mütter, Familienväter, ein älteres Ehepaar - die verstanden haben, dass ihnen hier nicht eine Lösung auf dem Tablett serviert wird, sondern dass wir alle miteinander etwas tun können, um unsere Zukunft lebenswerter zu gestalten.

Es bildeten sich wie von selbst kleine Gruppen, und es wurden Gespräche über den Sinn des Wohnens geführt. Wer potenzieller Mieter oder Vermieter ist, war bald nicht mehr zu erkennen.

Der Tenor der vielen guten Gespräche war, dass viele das isolierte Wohnen abstreifen wollen und sich nach Gemeinschaft sehnen. Eine Gemeinschaft, die ein Zusammen-Sein ermöglicht aber auch Raum für Rückzug bietet.

Eine Besucherin hat den Nachmittag auf den Punkt gebracht: „Es sind alle offen, da und angekommen.“

Bei diesem ersten Treffen haben offene Menschen auf nicht greifbare Weise begonnen, den Boden fruchtbar zu machen, so dass die nächste Veranstaltung am 27. Oktober 2018 darauf aufbauen kann. Das Oktober-Treffen wird dann eher einen Workshop-Charakter haben, bei dem es im Rahmen eines World-Cafés um das Thema „Gemeinschaftliches Wohnen“ in unterschiedlichen Varianten gehen wird.

Wir wollen uns unter anderem damit befassen, was die nächsten Schritte sind, wer und was noch gebraucht wird und welche vielfältigen Vorteile Hausbesitzer/Vermieter haben, wenn sie glücklichen Menschen Wohnraum geben.

Willkommen sind nicht nur Menschen, die ihr Haus öffnen möchten und Bürger, die ein neues Zuhause suchen, sondern auch Ideen-Architekten, Konzeptentwickler, Hausbesitzer etc. sind mit ihrer Expertise herzlich eingeladen mitzuwirken und der Idee mehr und mehr Gestalt zu geben.

Was wir (noch) nicht sehen, ist, dass wir bereits in der Fülle leben, denn die Ressourcen sind da. Wir brauchen nur noch den für alle Beteiligten passenden Zugang zu finden.

Lassen Sie uns gemeinsam ein Netz aus Beziehungen und Kompetenzen bauen, um zukunftsfähige Wohnmodelle mit glücklichen Menschen zu erproben und zu leben. Die Zukunft beginnt jetzt. 

 

 

Bericht über die zweite Veranstaltung

 

Die zweite WohnSinn-Veranstaltung am 27. Oktober 2018 stand ganz im Zeichen des Ideensammelns oder Brainstormings. An drei Tischen wurde diskutiert, und 13 Menschen unterschiedlichsten Alters ließen ihre Gedanken, Wünsche und Ideen hierzu fließen.

 

Zu „Ressourcen in Grafing“ gab es zum Beispiel den Vorschlag, einen Rundgang durch Grafing zu machen,  leer stehende Gebäude zu entdecken, mit den Besitzern ins Gespräch zu kommen und mögliche Ängste oder Bedenken von ihnen ernst zu nehmen. Es gab auch interessante Gespräche zu der Idee Industrieflächen mit Wohnflächen zu kombinieren oder zur  Zwischennutzung von Brachflächen.

 

Beim Thema „Gemeinschaftswohnen“ drückten viele Teilnehmer aus, dass sie gerne auch mit älteren Menschen zusammen wohnen wollten. Die Ideen reichten von gemeinsam Wohnung/Haus zu kaufen/mieten, groß- oder kleinfamilienähnliches Zusammenwohnen von mehreren Generationen in einem Haus mit Garten bis zum Erwerb eines ganzen Häuserblocks mit einzelnen Wohnungen. Das Gefühl der Sicherheit, dass jemand da ist, der abends mal nach dem Herd schaut oder guckt, ob die Türe geschlossen ist sei nicht zu unterschätzen. Es gelte herauszufinden, inwieweit räumliche Umbauten, wie zum Beispiel eine zusätzliche Nasszelle, durch Förderungen finanziert werden könnten. Hier könne man vielleicht mobile Pflegedienste ansprechen und mit ins Boot holen. Aber auch das Konzept von Tiny Houses wurde interessiert aufgenommen.

 

Das Plakat zum Thementisch „Wohin soll sich WohnSinn entwickeln?“ zeigt  deutlich, dass das Projekt sich in alle gewünschten Richtungen entwickeln darf. Hier wurde angeregt, noch mehr Menschen für „Wohnsinn“ zu sensibilisieren. Außerdem wurde angemerkt, dass die Eigenverantwortung gestärkt werden solle.  .

„Wohnsinn“ solle eine Kommunikationsplattform sein, in deren Rahmen durch Austausch Ängste vor dem gemeinsamen Wohnen abgebaut werden, Vernetzungsmöglichkeiten bestehen und Entscheidungen langsam reifen dürfen. Wichtig war den Teilnehmern auch, im Gespräch zu bleiben und Ergebnisse und Entwicklungen zu publizieren.

 

Alle Thementische hatten eines gemeinsam: man war bestrebt, noch mehr Menschen das Projekt „Wohnsinn“ näher zu bringen und auch Experten wie Pflegedienste, Landwirte, Architekten, Entwicklungsingenieure, Politiker, Wohnraumberater mit einzubeziehen.

 

In der Abschlussrunde waren alle zufrieden. Einige nahmen für sich Ideen mit wie sie in ihrem Umfeld den „WohnSinn“ bekanntmachen wollen. Insgesamt war eine „Wir packen es an“-Stimmung zu spüren. „WohnSinn“ ist ein langfristiges Projekt, das Durchhaltevermögen braucht. Doch gerade im gemeinsamen Tun entsteht die so sehr gewünschte Gemeinschaft und wird Vertrauen aufgebaut.

 

Wir wollen hier bei der nächsten Veranstaltung am 17. November 2018 anknüpfen und von bereits ersten Umsetzungen der Ideen berichten, uns austauschen und gegenseitig stärken sowie weitere Gedanken festhalten und umsetzen.

 

 

Die nächste „WohnSinn“-Veranstaltung findet

 

am 17.11.2018

 

von 15 bis 17 Uhr im Gemeindesaal der evangelischen Kirche, Glonner Str. 7, Grafing statt.

 

 

 

 

 

Die Termine für 2019 sind:

 

19. Januar 2019

2. März 2019

6. April 2019

 

 

Wer darüber hinaus sich für die Projekte der Transition Town Initiative Grafing interessiert oder selber ein Projekt für Grafing vorstellen möchte, ist herzlich eingeladen zu den monatlichen Treffen zu kommen, die an jedem 1. Freitag eines Monats um 19.30 Uhr im Familien- und BürgerZentrum stattfinden, Münchner Straße 12, Eingang über Kirchenstraße. Bis dahin kann sich jeder auf der Internet-Seite informieren: www.transitiongrafing.de

 

 

 

 

Wohnsinn im November 2018

 

Zur dritten Wohnsinn-Veranstaltung am 17. November 2018 haben wir 21 Erwachsene, fünf Kinder und einen Hund begrüßen dürfen, die alle gut miteinander ausgekommen sind.  Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich kurz vorzustellen. Es hat sich sehr gut bewährt, zu Beginn und zum Abschluss gemeinsam im Kreis zu sitzen, denn diese Form des Miteinanders scheint die Menschen zu ermuntern, offener über ihre persönliche Situation zu sprechen.

 

An diesem Samstag waren sowohl Wohnungssuchende da als auch Hausbesitzer, die sich die Menschen mit Bedarf an Wohnraum einfach mal anschauen wollten. Eine Dame suchte für ein Haus in Niedersachsen einen vorübergehenden Haushüter, der oder die auch Schnee räumen würde. Auch ein Mitwohn-Angebot wurde an die Transition Town Initiative herangetragen, das wir gerne weitergaben, da die Anbieterin an diesem Tag einen anderen Termin wahrzunehmen hatte.

 

Eine wiederkehrende Frage an diesem Nachmittag war, ob denn immer dieselben Menschen zu den Wohnsinn-Veranstaltungen kämen. Ein paar Teilnehmer waren bereits bei zwei Veranstaltungen dabei, aber die Mehrheit der am Wohnsinn Interessierten hat sich bei den bisherigen drei Terminen immer neu zusammengesetzt – und es waren jedes Mal die richtigen Menschen da.

 

Wieder sind dann viele interessante Gedanken beim Brainstormen an den Themen-Tischen auf die Papiertischdecken geflossen:

 

Es wurde darauf hingewiesen, dass es für Familien mit mehreren Kindern oder mit Haustieren generell schwierig sei, eine Wohnung zu bekommen.

 

Wohnen mit mehreren Modulen war ein Wunsch, das heißt, Tiny Houses/Minihäuser, verbunden mit Workshop-Räumen, Gästezimmer, einem Acker etc.

 

Ein wichtiger Aspekt wurde von mehreren Anwesenden angesprochen, nämlich das Wohnen bei geringer Rente. Sind Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser eine Lösung für erschwingliches seniorengerechtes Wohnen? Man könne jetzt, wo man noch vital sei, die zukünftige Wohnsituation im Rentenalter positiv mitgestalten, schlug eine Teilnehmerin vor.

 

Der Teufelskreis der Nichtvermietung war auch Thema: Erben wollten das Mietrisiko nicht tragen, hätten Sorge, dass das Haus Schaden nehme. Die Folge sei, dass das Haus leer stünde und dadurch Schaden nehme, berichtete eine Lehrerin.   

 

Es wurde angeregt, Landwirte, Kirchenvertreter, Stadtbedienstete, Bestattungsunternehmer etc. auf Wohnsinn aufmerksam zu machen, diese einzuladen, und ihnen das Konzept „befristeter Haushüter“ zum Beispiel als Service für Haus-Erben vorzustellen.

 

Einvernehmlich war bei diesem ZusammenSein der Wunsch, sich zu vernetzen, Beziehungen und Freundschaften aufzubauen und zu pflegen, wie es bei „Wohnsinn“ praktiziert werden kann.

 

In der Abschlussrunde bekundeten die Anwesenden, dass sie diese „Wohnsinn“-Veranstaltungen sehr wichtig fänden und bedankten sich bei den Organisatoren. „Endlich mal was Sinnvolles“, bemerkte eine Seniorin. Ein anderer Teilnehmer war dankbar, dass ihm das miteinander Vernetzen bei „Wohnsinn“ die Möglichkeit gebe, neue Leute in Grafing kennenzulernen.

 

Außerdem regte eine junge Mutter an, einen Arbeitskreis für Alternative Wohnformen zu gründen. Wer hier mitmachen möchte, möge bitte eine E-Mail an die Transition Town Initiative Grafing schreiben, es wird dann weitergeleitet:

transition-grafing@web.de

 

Ein Unterstützer des Wohnsinn-Projektes gab allen noch mit auf den Weg, dass er sich dem Leben anvertraue und durch diese Einstellung die Dinge schon in den Fluss kämen. Diesem feinsinnigen Rat kann Pablo Picasso noch hinzufügen:

 

„Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.“

 

 

Der „Wohnsinn“ geht jetzt in die Winterpause, wünscht allen Interessierten besinnliche Feiertage und freut sich auf weiteres Vernetzen, inspirierende Gedanken und schöne Gespräche am

 

Samstag, den 19. Januar 2019

 

von 15 bis 17 Uhr im Gemeindesaal der evangelischen Kirche, Glonner Str. 7, Grafing.

 

 

Die weiteren Termine 2019 sind:

 

Samstag, 2. März 2019

Samstag, 6. April 2019

 

 

Damit dem einen oder der anderen die Zeit bis dahin nicht zu lang wird, lädt die Transition Town Initiative Grafing alle Interessierten zu den monatlichen Treffen ein, die an jedem 1. Freitag eines Monats (07.12.2018, 04.01.2019) um 19.30 Uhr im Familien- und BürgerZentrum stattfinden, Münchner Straße 12 Rgb., Eingang über Kirchenstraße. Hier darf sich jeder mit Ideen einbringen, die das Leben schöner machen, und die sich zur Umsetzung Unterstützung wünschen.